GROSSE LECHIA – GROSSER BLÖDSINN 

Wir laden Sie ein, sich die vom Museum für die Anfänge des polnischen Staates in Gniezno gestaltete Bannerausstellung anzusehen, die sich mit Verschwörungstheorien und pseudowissenschaftlichen Spekulationen darüber befasst, was angeblich lange vor Mieszko I. auf polnischem Boden geschah. Ziel der Ausstellung ist es, den Mythos von Groß-Lechia zu widerlegen, was durch die Analyse ausgewählter großlechischer Argumente und die Überzeugung geschieht, dass für die Ausübung der Wissenschaft eine wissenschaftliche Methodik unerlässlich ist.

Seit etwa einem Jahrzehnt strömen aus dem Internet Informationen über die heldenhaften Vorfahren der heutigen Polen, die als Lechiten, seltener als Ario-Slawen oder Slawen bezeichnet werden. Warum heldenhaft? Weil sie bereits 2000 v. Chr. die Kunst der Metallverarbeitung beherrschten, das Rad erfanden, Burgen errichteten, sich mit Demokratie auskannten, eine eigene Währung besaßen und über eine kriegerische Armee verfügten, die siegreiche Schlachten gegen Alexander den Großen und Julius Cäsar führte. Als ob das noch nicht genug wäre, benutzten sie eine eigene Schrift. Wenn dem so ist, warum ist ihre Geschichte dann von Geheimnissen umhüllt? Die Anhänger der „Großen Lechia“ haben darauf eine fertige Antwort: Die uralten Bücher der Lechiten wurden heimtückisch von katholischen Geistlichen gestohlen, die anordneten, jede Spur der lechitischen Macht zu vernichten. Bei diesem grausamen Vorgehen halfen und helfen Archäologen und Historiker nach wie vor mit, und zwar für die sprichwörtlichen 30 Silberstücke. Auch der deutsche Besatzer trug seinen Teil dazu bei, die Wahrheit zu verbergen.

Die Autoren der Ausstellung haben sich vorgenommen, genau zu erklären, worin die Absurdität von Groß-Lechia besteht. Die vorgestellten Gegenargumente entlarven den Mangel an jeglicher fachlicher Kompetenz der Propaganden der „Großen Lechia“, die wissenschaftliche Methoden entschieden ablehnen. Damit versetzen sie sich in die Zeit vor der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts zurück, als sich die wissenschaftlichen Disziplinen, darunter Geschichte und Archäologie, gerade erst zu entwickeln begannen.

„Groß-Lechia – ein großer Schwindel“ ist eine interventionistische Ausstellung. Sie befasst sich mit unserem heutigen Verhältnis zur Geschichte, insbesondere zur Urgeschichte, in der mehr Fragen als sichere Antworten auftauchen. Das Hauptziel der Ausstellung ist es, zum Nachdenken und zur Diskussion anzuregen und im Idealfall Maßnahmen zu ergreifen, die die Entstehung und Verbreitung von Theorien wie der der „Großen Lechia“ verhindern. Nicht weniger wichtig ist es, die Besucher der Ausstellung davon zu überzeugen, dass das Studium der Geschichte Sinn macht, insbesondere heute, im Zeitalter der Digitalisierung und der „Fake News“. Allerdings sollte sie nicht auf dem „Auswendiglernen von Daten“ beruhen, sondern vielmehr auf der Entwicklung einer kritischen Denkweise.

Die in der Ausstellung präsentierten pseudowissenschaftlichen Ansichten entsprechen in keiner Weise den Ansichten der Autoren und des Ausstellungsorganisators.

Veranstalter der Ausstellung ist das Museum der Anfänge des polnischen Staates in Gniezno

Kuratoren der Ausstellung:

Artur Wójcik (Sigillum Authenticum)

Ewelina Siemianowska (MPPP)

Dariusz Stryniak (MPPP)