Die frühmittelalterliche Burg und Siedlung in Przytók, Abs. 1 und 2: Ergebnisse der archäologischen und umweltbezogenen Untersuchungen

Im Laufe des Jahres 2019 führt das Archäologische Museum des mittleren Odergebiets dank einer Förderung des Ministeriums für Kultur und nationales Erbe das Projekt „Erforschung und Konservierung des Fundkomplexes aus Bronzegegenständen aus Nowy Kramsk“ im Rahmen des Programms „Schutz archäologischer Denkmäler“ durch. Das Projekt wurde auch von der Stadt Zielona Góra unterstützt, die den für die Umsetzung erforderlichen Eigenanteil bereitstellte.

Die Burgstätte und die Siedlung in Przytok waren bisher nicht Gegenstand einer umfassenderen Untersuchung. Nach den in den 1960er Jahren von Edward Dąbrowski durchgeführten Untersuchungen war der einzige Hinweis ein Eintrag, den der Entdecker der Fundstätte und Autor der Untersuchungen im „Wörterbuch der slawischen Altertümer“ veröffentlicht hatte. Sowohl die Siedlung als auch die Burg wurden zwischen 1956 und 1964 entdeckt. An der im Juni 1967 freigelegten Siedlung wurden Rettungsgrabungen durchgeführt. Damals wurden zwei Gruben gefunden, die Fragmente von handgeformten Gefäßen enthielten. Auf dieser Grundlage datierte Edward Dąbrowski die Objekte auf das 6. bis 7. Jahrhundert, obwohl die Möglichkeit einer Datierung der Fundstätte sogar auf die Wende vom 5. zum 6. Jahrhundert nicht ausgeschlossen wurde. Laut Edward Dąbrowski bildete die offene Siedlung im 6. Jahrhundert den Ursprung für die in der Nähe gelegene Burg. In den Jahren 1960, 1963, 1964 und 1966 wurden an der Fundstelle 1 (Burg) Ausgrabungen durchgeführt. Im Jahr 2008 wurde eine Reihe von Luftaufnahmen der aus der Luft gut erkennbaren Burgstätte angefertigt. Weitere Forschungsarbeiten im Zusammenhang mit der Siedlungsanlage in Przytok wurden erst 2016 durchgeführt. Sie waren Teil eines vom Nationalen Wissenschaftszentrum finanzierten Projekts. Damals wurden magnetische Untersuchungen der Burgstätte sowie Analysen des Phosphorgehalts durchgeführt und kleinere Untersuchungen zur Überprüfung der geophysikalischen Ergebnisse vorgenommen. Dank der Ausgrabungsarbeiten konnten auch die früheren Erkenntnisse von Edward Dąbrowski vor allem hinsichtlich der Chronologie und Funktion der Fundstelle 1 verifiziert werden, da das Fehlen veröffentlichter Quellen sicherlich erhebliche Schwierigkeiten bei der Bewertung früherer Erkenntnisse mit sich brachte, insbesondere hinsichtlich der Nutzungsdauer der Burg und der Siedlung. Das Schließen dieser Lücke ist daher das vorrangige Ziel der vorliegenden Publikation. Neben der Analyse der Archivfunde, ergänzt durch die Ergebnisse fachlicher Untersuchungen, werden in dem Buch auch die Ergebnisse von Forschungen zur Rekonstruktion der ursprünglichen natürlichen Umgebung der unmittelbaren Umgebung der Burg und der Siedlung vorgestellt sowie die Siedlungsanlage in Przytok vor dem Hintergrund eines breiteren siedlungsgeschichtlichen Kontexts dargestellt. Ein wesentlicher Teil der Publikation ist zudem die Darstellung von Fragen im Zusammenhang mit neuen chronologischen Erkenntnissen, die dank einer vergleichenden Analyse von Gefäßfragmenten gewonnen wurden, deren Alter mittels der 14C-Methode bestimmt wurde. Das Projekt sieht die Veröffentlichung der durchgeführten Materialanalysen und der Rekonstruktion der natürlichen Umgebung in Form eines Buches vor.

Die Durchführung der Analysen und die Herausgabe der Publikation wurden durch die Kofinanzierung der Forschungen durch das Ministerium für Kultur und Nationales Erbe im Rahmen des Programms „Schutz archäologischer Denkmäler“ sowie durch das Archäologische Museum in Zielona Góra und durch Mittel der Stadtverwaltung Zielona Góra ermöglicht. Ein Teil der in der vorliegenden Publikation vorgestellten Forschungsergebnisse, darunter geophysikalische Untersuchungen, Phosphoranalysen, 14C-Datierungen von Holzelementen des Walles sowie die 2016 auf der Burgstätte durchgeführten Ausgrabungen, wurde im Rahmen des Förderprogramms FUGA 4 des Nationalen Wissenschaftszentrums (UMO-2015/ 16/S/HS3/00274) mit dem Titel: Frühmittelalterliche Burgsiedlungen im mittleren Oderbecken bis zur Mitte des 11. Jahrhunderts in archäologischen Studien.